Flechten

Flechten (Lichenes) gelten u.a. als Bioindikatoren und medizinische Hoffnungsträger
Flechten sind faszinierende Lebensgemeinschaften (Symbiosen) aus einem Pilz und einem Partner, der Photosynthese betreibt (meistens Grünalgen oder Cyanobakterien), wobei sie sich gegenseitig versorgen und schützen und so extreme Standorte besiedeln können, wo beide Partner allein nicht überleben würden. Meist bestimmt der Pilz die Form und die Alge betreibt Photosynthese. Flechten sind keine Pflanzen im eigentlichen Sinne, sondern eigenständige Organismen mit einzigartigen Eigenschaften, die von Krusten-, über Blatt- bis zu Strauchflechten reichen und wichtige Bioindikatoren für Luftqualität sind. Aber auch medizinisch sind sie sehr interessant. Insbesondere die Usninsäure sowie das Zellgewebe geben Hoffnung auf neue Medikamente. Die ungeschlechtliche Vermehrung erfolgt auf mehreren Wegen. Über Sorale und Insidien sowie über Sporen.
Flechten werden den Pilzen zugeordnet.
Wir finden hier bei uns in der Region um Bad Herrenalb eine Vielzahl dieser spannenden Lebensformen. Sie präsentieren sich in vielerlei Farben und Formen. Sie wachsen auf den verschiedensten Oberflächen (Straßenschilder, Mauern, Bäume, Steine, Beton u.v.a.m.) und beziehen ihre Nahrung u.a. aus der Umgebungsluft. Daher werden sie als Bioindikatoren für die Bestimmung der Luftqualität genutzt. Flechten sind lebende Messgeräte, die frühzeitig Umweltveränderungen anzeigen. So wachsen z.B, Strauch – und Blattflechten nur in sauberere Luft. Diese beiden Flechtenarten finden sich bei uns noch sehr häufig.
Es macht Spaß sich auf die Suche zu begeben und die vielfältigsten Formen zu entdecken.
Einige Beispielfunde haben wir in Fotos dargestellt und kurz erläutert. Wir freuen uns über
Weitere Entdeckungen, damit wir die Sammlung laufend ergänzen können. Dazu empfehlen wir die Bestimmungsapp Flora Incognita. Bei Freischaltung der Standortbestimmung werden die Funde anonymisiert kartiert und fließen in wichtige wissenschaftliche Auswertungen ein.
In Baden-Württemberg gibt es mehrere hundert verschiedene Flechtenarten, auch Renntierflechten sind regional nachgewiesen. 45 Arten werden speziell beobachtet, sie gelten als Indikatoren für Klimaveränderungen.
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung betreibt neben der Grundlagenforschung auch medizinische Forschungen (Videos).
Wer sich weiter in das Thema der sogenannten Lichenologie vertiefen möchte, findet nachstehend einige Hinweise und links. Standardwerke in Buchform gibt es von Kirschbaum / Wirth
Link zum Naturkundemuseum in Karlsruhe mit seiner umfangreichen Flechtensammlung
Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz in Baden-Württemberg (LUBW) hat u.a. 2008 ein 64 Seiten umfassendes Werk „Rote Liste und Artenverzeichnis der Flechten Baden-Württembergs“ veröffentlicht. Diese Zusammenstellung stellt die 2008 bekannten Arten dar; seither hat sich viel verändert. Es handelt sich hierbei um eine umfangreiche Basis-Sammlung.
Weitere interessante Erkenntnisse finden sich u.a.hier
Monika Amann, Schwarzwald Guide und Wildpflanzenpädagogin, Januar 2026
